Nachtschatten

Im Zentrum des Umbaus stand die Verwandlung des 1893 gebauten Hofgebäudes in ein Kleintheater. Zur Josefstrasse ist mit einer neuen Rampenanlage der Theatereingang inszeniert. Der mit grossformatigen Jalousieläden und einflügligen Fenstern eingeführte grössere Massstab lässt die öffentliche Nutzung erkennen. Die nachtblau gestrichenen Fassaden unterscheiden sich deutlich von den umliegenden, bunten Häusern des Blockrands. Mit dem in Grundriss und Schnitt deutlich vergrösserten Saal konnten die akustischen und klimatischen Verhältnisse massiv verbessert und die Anzahl Plätze von fünfzig auf über achtzig erhöht werden. Der Einbau eines Foyers mit Theatercafé erweitert das Raumangebot für Theaterinszenierungen.

 

Vollständiger Text        Facts        PDF
Medienberichte

 

Mit dem Weiterführen der Nachtfarben im Hausinnern soll auf ein Phänomen der Nacht verwiesen werden, das wie in der Literatur und im Theater einen anderen Blick auf die Realität zulässt. Gegenüber dem Visuellen tritt vielmehr das Akustische und die Imagination in den Vordergrund.

Die Räume für die Theaternutzung sind alle im Erd- und Untergeschoss zusammengefasst. Die im ersten Obergeschoss und im Dachgeschoss untergebrachten Büroräume wurden ebenfalls umgebaut und sind über einen separaten Hauseingang erschlossen. Die Dachflächen mussten neu gedämmt und die Dachaufbauten ersetzt werden. Notwendig waren auch der komplette Ersatz der haustechnischen und elektrischen Installationen, der Einbau einer Lüftungsanlage sowie wesentliche Investitionen in den Brand- und Schallschutz.

Hintergrund: Ende des 19. Jahrhunderts verlieh die Eingemeindung von Aussersihl in die Stadt Zürich und der Bau des Eisenbahnviadukts dem Industrie- und Arbeiterquartier einen mächtigen Entwicklungsschub. In diesem Zusammenhang wurde auch 1893 das Hofgebäude als Doppelhaus an der Josefstrasse erstellt. Die Nutzung durch unterschiedliche Handwerksbetriebe dauerte bis 1986, als nach einem kräftigen Umbau durch den Zürcher Architekten Oliver Schwarz, die Filmcooperative einzog. Seit 1998 wird das Gebäude durch das literarische Kleintheater ≪sogar≫ bespielt. Erst mit dem Erwerb der Liegenschaft 2015 durch die Dr. Stephan à Porta-Stiftung und dem 2019 zusätzlich mit öffentlichen und privaten Geldern finanzierten Umbau, konnte ein langfristiger Theaterbetrieb gesichert werden.

 

ProjektUmbau mit Kleintheater in Zürich
BauphaseApril bis September 2019
Bauherrschaft Dr. Stephan à Porta-Stiftung / Zürich
Akustikapplied accoustics GmbH / Gelterkinden
Beratung TheatertechnikMartin Burkhardt / Wädenswil
FotografieHannes Henz / Zürich

 

Weitere Projekte